Unsere Braukunst

Familientradition seit 1895

34 Georg bei Wuerzespindeln
01

Dingslebener

Das frische Thüringer

 

Die historische Entwicklung der Brauerei Dingsleben

1894

August Metzler (1866–1952), der 28-jährige Schmied, kehrt nach seiner Wanderzeit aus Leipzig wieder in sein Heimatdorf Dingsleben zurück, denn er hat einen schweren Unfall erlitten. Er heiratet die verwitwete Gastwirtin Berta Höfer. Im gleichen Jahr erwirbt er das Gemeindegasthaus und übernimmt 1895 das Bierbrauen für seine Geschäfte. Es entsteht ein Mischbetrieb mit Landwirtschaft, Gaststätte, Brauerei, Schlachterei und einem Ladengeschäft.
1922 / 23

Robert Metzler erbaut am Klingegarten einen Eiskeller, das erste Bauvorhaben der Brauerei Metzler.
1934

Robert Metzler baut das Gasthaus mit der Gaststube um und saniert Küche, Tanzsaal, Sanitäranlagen und den Kuhstall. Die ersten Anfänge des Tourismus machen sich auch in Dingsleben bemerkbar. Die Brauereigaststätte entwickelt sich zum Treffpunkt für die Menschen aus nah und fern, vor allem gibt es in Kriegs- und Nachkriegszeiten, in Zeiten des Mangels immer etwas Ansprechendes zu Essen und zu Trinken. Am Himmelfahrtstag werden meist um die zweihundert Besucher versorgt, das Leben auf dem Dorf macht es eher möglich als in der Stadt. Abends vergnügt man sich auf dem Tanzsaal.
1938

Ulrich Metzler wird als drittes Kind von Marta und Robert Metzler in Meiningen geboren.
1952

Bis zu seinem Tod führt August Metzler die Brauereigeschäfte, während sich Sohn Robert (1894–1969) vorwiegend um die Gastwirtschaft, das Ladengeschäft, das Schlachten und die Landwirtschaft kümmert. Der vierzehnjährige Ulrich Metzler beginnt mit seinem älteren Bruder Ewald die Handabfüllung von Flaschenbier, wöchentlich sind es fünf, sechs Kästen.
1956 – 1958

Inhaber Robert Metzler sowie der Volljurist und Steuerberater Franz Fuchs aus Hildburghausen stellen die Firma neu auf. Die Zeit der Enteignungen in der DDR und eine astronomische Steuernachzahlung bringen das Unternehmen in Existenznot: Die Landwirtschaft wird in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) eingebracht, das Ladengeschäft geschlossen. Mit der Gaststätte ist man einen Kommissionsvertrag mit der staatlichen Handelsorganisation (HO) eingegangen. Die Schlachterei wird noch privat genutzt, nur die Brauerei als Gewerbe weitergeführt.
1958

Am 1. Januar 1958 wird die Brauerei Metzler in die Handwerkerrolle der Kreishandwerkerschaft Hildburghausen eingetragen. Der zwanzigjährige Brauer Ulrich Metzler, der eigentlich Bauer und Melker werden sollte, gründet einen handwerklichen Brauereibetrieb als Ein-Mann-Unternehmen. Im Klingegarten wird ein fünf Meter mal zehn Meter großer Raum als Abfüllkeller erbaut. Beinahe abenteuerlich in der Zeit der sozialistischen Planwirtschaft ist die Materialbeschaffung. Wegen fehlender Baumaschinen ist Handarbeit angesagt. Der Kies aus der Werra wird über große Strecken mühsam mit Pferdefuhrwerken heran transportiert. Das Unternehmen entwickelt sich bis zur Deutschen Einheit 1990 mit zehn Beschäftigten zur größten Privatbrauerei der DDR.
1961

Mit der staatlichen Genehmigung für die einfache Limonadenherstellung hat die Dingslebener Privatbrauerei ein zweites wichtiges Standbein für ihre Existenz. Bis 1990 gibt es keine großen Änderungen im Sortiment, weil die Grundstoffe streng limitiert gewesen sind. Es ist schon sehr problematisch, den tatsächlichen Bedarf einigermaßen zu decken. Bei Festlichkeiten oder an heißen Tagen müssen immer wieder enorme Versorgungslücken geschlossen werden.
1968

Erstmals wird das „Hauswappen“ der Privatbrauerei Metzler, das einstige „Mittlere Wappen“ des 1826 gestifteten Herzogtums Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, auf Biergläsern verwendet, wenig später ziert es auch als Werbeträger die Bieretiketten.
1980

Der Staat hat Probleme, die umfassende Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern zu sichern. Deshalb darf die Privatbrauerei für ca. 200.000 DDR-Mark in das volkseigene Brauhaus investieren und erhält entsprechende Freigaben für Materialien und einen Kredit. Die Bauleistungen dürfen nur nach Feierabend und in Eigenleistung erbracht werden. In der Folgezeit werden ein Kühlhaus erbaut und größere Gär- und Lagertanks gekauft. Es handelt sich meist um Überplanbestände oder ausrangierte Geräte aus volkseigenen Betrieben.
1990 / 91

Nach der Deutschen Einheit wird ein Umsatzrückgang von 60 Prozent verzeichnet. Die Menschen möchten „West-Bier“ kaufen. Die Metzler’sche Bierqualität setzt sich aber beharrlich durch. Ab Mai 1991 kommt es wieder zu steigenden Umsätzen. Das Unternehmen führt bis 1990 den Namen „Brauerei Metzler“, ab 1991 wird es umbenannt in „Privatbrauerei Metzler“. Das gemeindeeigene Brauhaus wird gekauft, das 1997, nach Fertigstellung der neuen Brauerei, abgerissen wird.
1990 – 1995

Neubau der Dingslebener Privatbrauerei Metzler.
1994

Auf dem Brauereigrundstück gelingt ein erneuter Bohrversuch zur Gewinnung von Brauwasser. 1996 erweist sich das Wasser nach wissenschaftlichen Analysen jedoch als wertvolles Mineralwasser. Damit entwickelt sich für die Firma ein neues „Standbein“.
18. Juni 1995

Die Dingslebener Privatbrauerei Metzler begeht ihr einhundertjähriges Betriebsjubiläum und gleichzeitig die Fertigstellung sowie Eröffnung des Dingslebener Brauhauses. Zu einem Highlight hat sich das Dingslebener Edel-Pils entwickelt, eines der weitverbreitetsten Thüringer Biere. Auch die sanierte Brauereigaststätte erstrahlt in neuem Glanz im einzigartigen Dingslebener Fachwerkensemble. Erstmals eingebraut wird das Dingslebener Lava zum einhundertjährigen Jubiläum des Unternehmens.
1997

Erstmals liefert die Dingslebener Privatbrauerei Bier nach Spanien. Das setzt eine sehr hohe Qualität voraus, da das Bier beim Transport und der Lagerung hohen Temperaturen bis 40 °C ausgesetzt ist.
2001

Das Agrarunternehmen Pfersdorf e. G. baut erstmals auch Getreide für die Dingslebener Privatbrauerei an (Dörfer Dingsleben, Zeilfeld, Leimrieth und Pfersdorf), auf 50 Hektar sollen es 200 Tonnen sein, die Braugerste wird in Mellrichstadt vermälzt.

Neben der Abfüllung von Fassbier erfolgt auch die von Osta Apfelschorle, Osta Cola, Osta Cola Plus, Osta Orange, Osta Brause Zitronengeschmack, Osta Brause Kirsch-/ Himbeergeschmack, Osta Brause Waldmeistergeschmack, Osta Wasser in Kegs. (keg [englisch] = kleines Fass, ein Mehrwegfass zum Befüllen und für die keimfreie Lagerung von Getränken, meist 20, 30 oder 50 Liter fassend)
1. Januar 2003

Das Einzelunternehmen von Ulrich Metzler wird in eine GmbH & Co. KG überführt, der Firmenchef begeht in diesem Jahr seinen 65. Geburtstag. 70 Prozent der Geschäftsanteile werden an die vierte Generation der Familie übergeben, an die Tochter Ulrike und an den Sohn Uwe je 35 Prozent. Somit ist gewährleistet, dass das Unternehmen in starken Händen bleibt.
2004

Das Dingslebener Lava wird erstmals mit dem European Beer Star Bronze Award ausgezeichnet. Der European Beer Star wird seit 2004 von den privaten Brauereien veranstaltet und hat sich weltweit zu einem der bedeutendsten Bierwettbewerbe entwickelt.

Die Abfüllung in PET-Flaschen erfolgt nur für Limonaden und Mineralwasser. (PET = Polyethylenterephthalat. Thermoplastischer Kunststoff aus der Familie der Polyester für die Flaschenherstellung)
Herbst 2004

Das Be- und Entladen der Fahrzeuge auf dem Hof der Dingslebener Brauerei hat sich inzwischen als ungünstig erwiesen. Eine große Investition ist nötig, um den gesamten Hofraum zu überdachen.
2006

Russland kommt als weiterer ausländischer Importeur hinzu. Kunden in Moskau werden beliefert. Auch in Japan wird Interesse an Dingslebener Bier bekundet, vor allem für das Schwarzbier Lava.
Ende Oktober 2009

Die erste große Lieferung von 130 Hektolitern Dingslebener Bier tritt seine Seereise nach Harbin an, einer 3,5 Millionen-Stadt im Nordwesten der Volksrepublik China. „Prost!“, Chinesisch heißt es „Ganbei!“
13. November 2009

Das Familienunternehmen Privatbrauerei Metzler erhält das „Thüringer Ehrenamtszertifikat für großes Engagement“ und den Ehrenpokal des Landrats des Landkreises Hildburghausen, Thomas Müller.
Dezember 2012

Die neue Photovoltaikanlage der Privatbrauerei Metzler auf dem Dach der Leerguthalle wird in Betrieb gesetzt, der Strombedarf des Unternehmens liegt bei 400.000 kWh / Jahr, davon werden 80 Prozent mit der Anlage gedeckt.
1. Januar 2013

Ulrich Metzler, der Seniorchef der Dingslebener Privatbrauerei, ist von der Geschäftsführung zurückgetreten. Seine verbleibenden Firmenanteile hat er seinem Enkel Christian Metzler übergeben. Seine Kinder Ulrike und Uwe halten seit 2003 je 35 Prozent der Anteile.
16. August 2015

Zum traditionellen Hoffest wurde mit mehr als 1.000 Gästen auch der 120. Jahrestag der Privatbrauerei Metzler gefeiert. Zum Ereignis stellten die Dingslebener Braumeister Ulrich, Uwe und Christian Metzler aus drei Generationen das Dingslebener Urtyp hell vor.